Red Cloud

Red Cloud (indianisch Machpiyaluta), Häuptling der Oglala-Sioux, wurde im Jahre 1822 am Platte River im heutigen Nebraska geboren. Bekannt wurde Red Cloud hauptsächlich durch den von ihm organisierten Widerstand gegen die im Indianerland errichteten Forts. Im Jahre 1864 Red Cloudversuchte die US-Regierung zunächst auf friedlichem Wege die Indianer zur Aufgabe ihres Landes, dem Powder-River-Land, zu bewegen. Eine Abordnung, die zu den Dakota geschickt wurde, versprach ihnen Waffen und Munition, sowie landwirtschaftlichen Geräte und Saatgut. Im Gegenzug gaben die Indianer der Regierung die Einwilligung zum Bau einer Eisenbahn in ihrem Gebiet. Obwohl die Eisenbahn jetzt planmäßig gebaut werden konnte, erfüllte die Regierung die vertraglich zugesicherten Gegenleistungen nicht. Daraufhin erfolgten hartnäckige Überfälle der Indianer auf die in diesem Gebiet stationierten US-Truppen. Durch die militärischen Erfolge der Indianer sah sich die Regierung gezwungen, nochmals eine Delegation zu den Dakota zu schicken, um weitere Zugeständnisse zu erhalten.


Durch Bestechung und Erpressung gelang es der Abordnung dann tatsächlich, einige unbedeutende Häuptlinge dazu zu bewegen, ihre Ländereien zu verkaufen und sogar Straßen, Wege und militärische Befestigungen sollten in den Gebieten gebaut werden dürfen, die den Indianern noch blieben. Da das Land aber Eigentum aller Indianer war, konnten einzelne Häuptlinge aber gar keine Ländereien rechtmäßig verkaufen. Die Verträge waren also ungültig, was der US-Regierung durchaus bewusst war.


Da die angesehenen Häuptlinge die Verträge ablehnten, machte sich im Juni 1866 eine Indianerdelegation unter der Führung von Red Cloud auf den Weg nach Fort Laramie, um neu zu verhandeln. Wiederum versprach die Regierungskommission Waffen und Munition für den Bau von Überlandstraßen und Eisenbahnlinien. Als aber plötzlich mitten in der Verhandlung die Truppen von Colonel Henry Carrington an den Häuptlingen vorbei marschierten und der Colonel erklärte, er sei auf dem Weg ins Powder-River-Land, um dort neue Forts zum Schutz der Bozeman Trail zu errichten, wurde die Verhandlung sofort abgebrochen. Red Cloud war sehr wütend und sagte:


"Der Große Vater schickt uns Geschenke und verlangt neue Straßen. Aber der weiße Häuptling stiehlt mit seinen Soldaten die Straßen, bevor die Indianer ja oder nein sagen!".


Jetzt forderten sie die Räumung von Ford Laramie, sowie der Militärstützpunkte aus ihrem Gebiet. Obwohl Red Cloud in der Folgezeit damit drohte, alle Soldaten in diesem Gebiet zu töten, wurde von Colonel Carrington mitten im Indianerland drei neue Forts errichtete, und zwar Fort Phil Kearny, Ford C. F. Schmith und Fort Reno.


Von nun an verstärkten die Indianer den Widerstand gegen den weißen Mann. Immer mehr Krieger schlossen sich den verbündeten Indianern an. Insbesondere die drei Forts entlang der Bozeman Trail wCaptain FettermanurdCrazy Horseen immer härter attackiert. Eines der bekanntesten Kämpfe wird als das Fetterman-Massaker bezeichnet. Am 21. Dezember 1866 vernichtete Crazy Horse mit seinen Stammesbrüdern unter der Führung von Red Cloud den größten Teil der Besatzungstruppen von Fort Phil Kearny unter dem Kommando von Captain Fetterman, der zur Verstärkung Colonel Carrington im Fort eingetroffen war. Fetterman war ein Indianerhasser und prahlte oft damit, dass er mit 80 Mann durch die gesamte Sioux-Nation reiten könne. An diesem Tag wurde ein Trupp Soldaten vor das Fort geschickt, um Holz zu holen. Dabei wurden sie von den Indianern, die das Fort belagerten, angegriffen und eingekesselt. Als Fetterman mit seiner Truppe den Soldaten zu Hilfe kam, viel er auf einen alten Lockvogel-Trick der Indianer herein, denn entgegen dem strikten Befehl, die Indianer nicht zu verfolgen, tat er es doch, und in einem Tal schnappte die Falle zu. 81 Soldaten starben daraufhin in einem Hagel von 40000 Pfeilen. Als Reaktion auf das am 29. November 1864 durch amerikanische Truppen verübte Sand-Cree-Massaker, verstümmelten die Indianer anschließend die Leichen, weshalb das Gefecht auch als Massaker bezeichnet wurde. Ein weiteres bekanntes Gefecht fand am 2. August 1867 statt. Hier widerfuhr dem Häuptling Red Cloud jedoch eine erbitterte Niederlage, als die Indianer eine Holzfällertruppe angriffen, die sich hinter einer Wagenburg verschanzt hatte. Obwohl die Indianer in der Überzahl waren, wurden sie von den Gewehrkugeln niedergemäht. Das war möglich, weil die Holzfäller für die damaligen Zeit moderne Mehrladergewehre hatten, sogenannte Springfield-Allen-Gewehre, mit denen eine schnellere Schussfolge möglich war.


Trotz dieser Niederlage hatte die US-Regierung kein Interesse mehr an einem kostspieligen Indianerkrieg. Die Soldaten hatten die Aufgabe, den Bozeman Trail zu schützen, was ihnen aber nicht gelang, da sie sich vor den ständigen Angriffen der Indianer selber verteidigen mussten. NachdemUlysses S. Grant Ulysses S. Grant im August 1868 die US-Truppen die befestigen Stellungen verließen, setzten die Indianer die verhassten Wahrzeichen der Weißen in Brand. Am 6. November 1868 erschien Red Cloud in Fort Laramie und unterzeichnete einen für ihn zufriedenstellenden Friedensvertrag, nachdem dieser schon zuvor von anderen einflussreichen Häuptlingen unterschrieben wurde. Dann war für ihn die Zeit gekommen, sich nicht mehr an das Kriegsgeschehen zu beteiligen. Dennoch war Red Clouds Beziehung zur US-Regierung gespannt. Außerdem war abzusehen, dass die Regierung die Verträge wieder brechen würden. Es sollten Reservate eingerichtet werden, in denen die Sioux weit ab von ihrem Jagdrevier leben sollten. Jetzt griff Red Cloud auf diplomatische Mittel zurück. Er zog von einer Großstadt zur anderen und klärte die Bevölkerung in Vorträgen und mit flammenden Reden über die Belange seines Volkes auf. Am 6. Juni 1870 wurde er sogar vom US-Präsidenten Ulysses S. Grant empfangen, dem er ohne zu zögern erklärte:


"Der Große Weiße Vater mag zur Kenntnis nehmen, dass alles Gerede über Krieg und Frieden sinnlos ist, solange man uns nicht das Recht zugesteht zu leben, wie wir es wollen. Nachdem die Weißen alle Friedensverträge stets gebrochen haben, die sie mit uns schlossen, kann man nicht von uns erwarten, dass wir denen, die mit gespaltenen Zungen reden, noch ein Wort glauben. Wir glauben nur noch an Taten".


Red Cloud war ein überzeugter Redner, so überzeugend, dass sogar die Presse für die Indianer Partei ergriff. So schrieb The New York Times:


Wir würden in den Kongressberichten im Globe von einem ganzen Monat umsonst nach einer Rede suchen, die so interessant war wie diejenige, die Red Cloud gestern beim Indian Council vortrug. Diese klare Vorstellung dieses leseunkundigen Wilden, dessen, was er als seine Rechte darstellt, und dessen, was er als Unrecht betrachtet, zeigt deutlich die Notwendigkeit, auf aufrichtige und verständliche Art mit den Führern der eingeborenen "Nationen" zu verhandeln. Der Versuch, die Indianer zu beschwatzen und zu betrügen, als hätten sie keinerlei Intelligenz, muss aufhören, ebenso wie die Politik, sie wie wilde Tiere zu jagen.


Bei der Begegnung mit dem Präsidenten wurde den Häuptlingen aber dann vom Innenminister eröffnet, dass sie ihr Volk in den Agenturen der neuen Reservate führen sollten, was Red Cloud aber wütend zurückwies. Er und die anderen Häuptlinge wollten sofort in ihre Heimat zurückkehren, wurden statt dessen aber zunächst nach New York geschickt, in der Hoffnung, dass sie von der riesigen Stadt und deren Pracht beeindruckt sein würden, was sie aber nicht waren. Red Cloud führte hier ebenfalls eine überzeugende Rede, die großes Aufsehen erregte.


Unter dem Druck der Öffentlichkeit gab die Regierung schließlich nach und schloss einige Kompromisse mit Red Cloud. So wurde 1871 u. a. für ihn und sein Volk 50 Kilometer von Fort Laramie entfernt eine eigene Agentur eingerichtet, die Red-Cloud-Agentur. Aber nicht alle Oglala folgten ihm in die neue Agentur. Einige misstrauten ihm und warfen ihm vor, sich den Weißen verkauft zu haben. Sie schlossen sich Sitting Bull und Crazy Horse an, der nach der Niederlage beim Wagenburg-Gefecht schon längst eine andere Auffassung der Kriegsführung hatte. Und tatsächlich war Red Cloud mittlerweile davon überzeugt, dass sein Volk nicht mehr gewinnen konnte.


Red Cloud galt dennoch als der fähigste militärische und politische Führer der Indianer. Er war ein außergewöhnlicher Diplomat und großer Patriot. Red Cloud starb am 10. Dezember 1909 im hohen Alter von 87 Jahren im Pine-Ridge-Reservat in Süd-Dakota.




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